Mobile Holzpoltervermessung - Digitale , fotografische Stückzahlermittlung in Holzpoltern mit der visiosens–Zähleinrichtung und Integration in die Rundholzlogistik

Forwarder am Polter

Die Visiosens-Zähleinrichtung nach Forstoberamtsrat Dietmar Sohns *) ist ein System zur Ermittlung der Anzahl der in dem aufzunehmenden Polter liegenden Stücke des gerückten Sortiments. Mit einer in die Kabine - Seitenverkleidung eines Standard-Forwarders eingebauten Kamera wird die Stirnfläche eines Holzpolters im Vorbeifahren fotografisch aufgezeichnet und danach über eine Bildauswertungssoftware im Bordcomputer (Zusatzausrüstung) die Stückzahl ermittelt.

Da die Zahl der vom Harvester in dem Sortiment und unter der Auftragsnummer aufgearbeiteten Stücke und damit das Durchschnittsvolumen des einzelnen Stückes feststeht und dem Forwarderfahrer bekannt ist, kann er ermitteln,

  • ob er alle Stücke gefunden und gerückt hat
  • welche Holzmasse in dem gezählten Polter liegt (Stückzahl x Durchschnittsvolumen (Fm/Stck.) = Verkaufsmasse/Fm)

Das Polter erhält dann durch den Maschinenführer eine eindeutige Beschriftung nach den Vorgaben des Auftraggebers (Polter-ID), der das ermittelte Poltermaß (Stückzahl und Holzvolumen) als Grundlage für den Verkauf und als Vergleichsmaß etwa zum Werkseingangsmaß nutzen kann.

Die fotografischen Darstellungen der aufgenommenen Holzpolter dienen zusätzlich als Nachweis der Stückzahlermittlung sowie zur Dokumentation der Holzqualität zum Zeitpunkt der Aufnahme.

Das definierte Polter kann mit GPS-Daten verknüpft werden, da alle Forwarder der NLF mit einem Geoinformationssystem ausgestattet sind. Die Übermittlung der Polterdaten einschließlich Foto erfolgt unmittelbar per Email an den Maschineneinsatzleiter, der nach einer Plausibilitätsprüfung die Holzdaten an den Auftraggeber weiterleitet. Die Daten können dann an andere Logistiksysteme (Abrechnungsverfahren, Frachtlogistik) übermittelt und dort weiter verwendet werden.

Der gesamte Messprozess wird vom Maschinenführer während der Vorbeifahrt an dem Polter überwacht und gesteuert. Einzelne Stücke, die von der Auswertungssoftware nicht erkannt und damit nicht gezählt wurden, kann der Maschinenführer okular an Hand des Fotos identifizieren und über einen einfachen Modus nacherfassen. Ebenso werden Stücke, die verdeckt unter dem Polter (sog. Unterlagen) liegen, manuell durch den Fahrer dem Auswertungsfoto durch Setzen von Zählpunkten hinzugefügt.

Bildauswertung (Fahrersicht)

Bedingungen für die Durchführung des Zählverfahrens

  • Holzpolterung nach Sortimenten am Abfuhrweg,
  • maximale Polterhöhe 4 m bei normaler Polterqualität,
  • Mindestabstand der Polterstirnfläche vom Abfuhrweg 1,50 m,
  • Rechtwinklige Ablage des Holzes zur Abfuhrrichtung mit freier Sicht auf alle Holzrollen
  • keine Farbpunkte auf den Stirnflächen der Einzelstücke. 

Zeitbedarf, Kosten, Effektivität

Da der Einsatz der Polterzähleinrichtung erst kurze Zeit technisch möglich ist, liegen erst wenig praktische Erfahrungen vor.

  • Der Zeitbedarf für eine Polteraufnahme besteht aus einer Vorbeifahrt des Forwarders im Schritttempo und der Zeit für die Nachbearbeitung durch den Fahrer (Ergänzen nicht erfasster Stücke, Hinzufügen von Unterlagen). Er dürfte je nach Poltergröße im Durchschnitt 5 Minuten nicht überschreiten.
  • Die Forwarder der Niedersächsischen Landesforsten rücken zwischen 20 bis maximal 25 Tsd. Fm jährlich.
    Die Kostenbelastung wird wegen der noch nicht feststehenden Investitionskosten für das Kamerasystem (angenommener Abschreibungszeitraum 3 Jahre) einschließlich der Kosten für die Vorbeifahrt des Forwarders auf etwa 0,10 € je Fm geschätzt und ist damit sehr gering.

 

Demgegenüber stehen verhältnismäßig hohe Aufwendungen für das manuelle Ermitteln der Stücke in einem Polter durch den Auftraggeber oder von ihm beauftragte Personen. Die manuelle Zählung durch den Forwarderfahrer scheidet wegen der unproduktiven Standzeiten der Maschine aus.

Da die Stückzahlen aber das einzig verlässlich ermittelbare Waldmaß sind, ist die Erhebung als Kontrollmaß für das Werksmaß unerlässlich.

 

Beurteilung des Verfahrens - Ausblick

  • Die Niedersächsischen Landesforsten wollen alle Regie-Forwarder mit der visiosens-Zähleinrichtung ausstatten, da dadurch die Differenz zwischen den vom Harvester aufgearbeiteten und erfassten und den nach dem Rücken tatsächlich am Abfuhrweg liegenden Stückzahlen und Holzmengen quantifizierbar wird. Das Verkaufsmaß des gerückten Polters wird damit ohne großen Personalaufwand in einer sehr hohen Genauigkeit feststellbar.
  • Zusätzlich zu den Polterdaten wird auch ein Bilddokument des Polters archiviert.
  • Differenzerfassung und Foto dienen dem Abgleich mit den Transportdaten und dem Werkseingangsmaß.
  • Da die investiven Kosten für den Einbau der Zähleinrichtung verhältnismäßig gering sind, ist der Einsatz auch für forstliche Dienstleister sinnvoll. Das Angebot einer sehr präzisen Herleitung der Polterinhalte ist ein zusätzlicher Service, der von vielen Auftraggebern gern angenommen werden wird und der damit ein Bonus bei der Auftragsvergabe sein kann.

Zusammenfassende Beurteilung

  • Die visiosens–Zähleinrichtung ist ein mobiles digital und fotografisch arbeitendes System zur Stückzahlermittlung in Holzpoltern. Es ist für den Maschinenführer aus der Kabine leicht und mit hohem Komfort einzusetzen.
  • Die Zählung erfolgt mit hoher Genauigkeit und Zuverlässigkeit und ist unabhängig von der Witterung und den Lichtverhältnissen.
  • Kombiniert mit GPS und einer drahtlosen Datenübermittlungsmöglichkeit können die erhobenen Daten direkt aus dem Wald an entsprechende Schnittstellen und Logistiksysteme übertragen werden.
  • Die jährliche Zählleistung wird bei ca. 20.000 Fm liegen. Die Kosten je Fm verkaufsfähig bereitgestellten Rundholzes werden mit ca. 0,10 €/Fm – insgesamt also rund 2.000 € - geschätzt.
 
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