KWF-Expo (Forstmaschinen- und Neuheitenschau) 2008 aus Sicht der Besucher

Zusammenfassung der Ergebnisse der während der KWF-Tagung auf dem Messegelände durchgeführten Besucherbefragung auf der Basis von nahezu 2000 Interviews.

Zielvorgaben und Standortentscheidung

Die Entscheidung für den Tagungsraum Schmallenberg war nach intensiver Beratung durch den KWF-Vorstand unter Einbeziehung des gastgebenden Landes Nordrhein-Westfalen, der KWF-Zentralstelle und des KWF-Firmenbeirates im Frühjahr 2006 mit folgenden Zielsetzungen erfolgt:

Die KWF-Tagung 2008 sollte als besondere Schwerpunkte

  • Lösungen für die Forstwirtschaft in Mittelgebirgslagen thematisieren,
  • neben der stofflichen, der energetischen Nutzung von Holz breiten Raum geben,
  • den Kleinprivatwaldbesitz als wichtige Zielgruppe erstmals auch bei einer Großen KWF-Tagung intensiv einbinden,
  • und die Internationalität der Veranstaltung fortentwickeln, insbesondere auch durch gezielte Ansprache der Forstfachleute aus den westlichen Nachbarländern.

Offen blieb zu diesem Zeitpunkt die Frage, ob die Festlegung auf einen verkehrstechnisch suboptimalen, autobahnfernen und dazu noch witterungsmäßig riskanten Standort im Hochsauerland die hohen Erwartungen der Branche hinsichtlich des Fachbesucheraufkommens würde erfüllen können.

Die getroffene, mutige Entscheidung musste schließlich im Januar 2007 als Folge von Kyrill nochmals grundsätzlich in Frage gestellt werden. 90% des potentiellen Messegeländes war zerstört, so dass unter enormem Zeitdruck die veränderten Rahmenbedingungen - und zwangsläufig potentielle Standortalternativen betrachtet werden mussten.
Den Ausschlag für die Bestätigung des Tagungsstandortes Schmallenberg durch den KWF-Vorstand im Juni 2007 gaben letztendlich drei Punkte:

  • Der überzeugende Appell der gastgebenden Forstverwaltung und der gesamten be-troffenen Region, auch in dieser schwierigen Lage weiter zusammenzustehen,
  • die Einschätzung der KWF-Zentralstelle und des örtlichen Forstamtes, dass die Vorbereitung des Tagungsgeländes schwierig und riskant, aber technisch machbar und zu bewältigen sei,
  • sowie die Zustimmung des Firmenbeirates, der konkret gefragt wurde, ob eine KWF-Demomesse ohne Vorführungen im stehenden Holz, aber breiten Einsatzmöglichkei-ten für Großtechnik im Rahmen einer Sonderschau „Sturmholzaufarbeitung“ mitgetragen würde.

Das KWF machte daraufhin aus der Not eine Tugend und bewarb offensiv die weltweit erste und einzige Forstmesse mit live Sturmholzaufarbeitung. Hohe Erwartungen, erhebliche Risiken und große organisatorische Herausforderungen waren somit die Vorzeichen der Tagung 2008.

Das Ergebnis

Rein zahlenmäßig konnte bereits nach dem zweiten Messetag Entwarnung gegeben werden. Das KWF hatte zwar nach den Erfahrungen früherer Tagungen mit regem Andrang speziell am Donnerstag, dem 2. Messetag und 1.Exkursionstag, gerechnet, die über 14 000 Besucher übertrafen jedoch alle Erwartungen und brachten das riesige Tagungsgelände und die Verkehrsinfrastruktur der Fachexkursion an ihre Kapazitätsgrenzen. Am Ende der Veranstaltung stand ein kräftiges Besucherplus von 26% und damit eine neue Rekordmarke. 

Mit Abstand die meisten der 43 000 Besucher, insgesamt 33%, kamen aus dem gastgebenden Bundesland Nordrhein-Westfalen, gefolgt von den süddeutschen waldreichen Ländern Baden-Württemberg mit 11%, Bayern und Hessen mit jeweils 9%. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz landeten mit 7,5 und 6% noch im Mittelfeld der Statistik, während aus den neuen Bundesländern lediglich aus Thüringen und Sachsen größere Besucherströme verzeichnet wurden. Sehr erfreulich hat sich die Zahl internationaler Fachbesucher entwickelt. 9% und damit knapp 4000 ausländische Gäste sind ein neuer Höchstwert für KWF-Tagungen.
Rund ein Drittel (34%) der internationalen Fachbesucher sind aus den südlich angrenzenden Alpenländern angereist, gefolgt von unseren Nachbarländern im Osten - Polen und Tschechien - mit rund 22% und den Benelux-Staaten mit 19%. 6% kamen aus Skandinavien. Insgesamt wurden Besucher aus 24 Ländern, u.a. aus Russland, den USA, Japan und China registriert.

Abb. 1: „Woher kommen Sie?“
Abb. 2: Staatszugehörigkeit der ausländischen Besucher
Abb. 3: Aufenthaltsdauer in Tagen

 

Sehr aufschlussreich war auch die Frage nach der Aufenthaltsdauer. Rund die Hälfte der Besucher blieb für zwei oder mehr Tage. Dieser Wert liegt deutlich über den Zahlen aller anderen internationalen Forstfachmessen wie ELMIA, Interforst oder Ligna, bei denen maß-geblich die Tagesbesucher das Bild bestimmen. Diese Besonderheit der KWF-Tagung erklärt sich aus dem unvergleichlich umfangreichen Fachangebot aus Demomesse, Sonderschauen, Fachexkursion und Kongress sowie dem hohen Fachbesucheranteil, der diese Angebote auch nutzt. Darüber hinaus war aber natürlich auch der etwas schwer zu erreichende Tagungsstandort sicher eine beträchtliche Einflussgröße.

Abb. 4: Branchenzugehörigkeit

Nach der beruflichen Tätigkeit befragt, gaben die meisten Besucher (18%) an, in öffentlichen Forstverwaltungen beschäftigt zu sein. 13 % arbeiten in forstlichen Dienstleistungsunternehmen. Beide Besuchergruppen gehören zum klassischen Stammklientel der KWF-Tagungen. Sehr hohen Zuspruch erfuhr die KWF-Tagung aber diesmal auch vom privaten Waldbesitz. 15,5% der Befragten gaben an, aus einer privaten Forstverwaltung zu kommen, Eigner eines land- oder forstwirtschaftlichen Betriebes zu sein oder zu einer forstwirtschaftlichen Vereinigung zu gehören (diese 3 Gruppen sind in Abb. 4 unter dem Begriff „Privater Waldbesitz“ zusammengefasst). Diese Zahl belegt, dass es dem KWF gelungen ist, mit seiner ersten Tagung im Privatwald einen großen Schritt auf diese wichtige Zielgruppe zuzugehen. Unter dem Sammelbegriff „Sonstiges“ mit knapp 17% sind schwerpunktmäßig Privatbesucher zusammengefasst, deren berufliche Tätigkeit außerhalb der Forst- und Holzkette liegt. Hierunter fallen z.B. auch die zahlreichen Brennholzselbstwerber und die interessierte Öffentlichkeit der Region.

Abb.5: Einfluss auf Beschaffungsentscheidung

Zur Einschätzung der Besucherqualität ist natürlich die Frage nach dem persönlichen Einfluss auf Beschaffungsentscheidungen der Betriebe maßgebend. Hierzu gaben 29% der Befragten an ausschlaggebenden oder mitentscheidenden Einfluss zu haben. Lediglich 23% waren in Investitionsentscheidungen gar nicht eingebunden.

Abb. 6: Welche Sonderschau hat Sie am meisten angesprochen?

Lag das KWF mit den gewählten Themen und Inhalten seiner „Sonderschauen“ auf dem Messegelände richtig? Zur Klärung dieser Frage wurden die Besucher aufgefordert, diejenige Sonderschau zu benennen, die sie am meisten angesprochen hat. Wie erwartet, landete die „Sturmholzaufarbeitung und Logistik“ mit 31% ganz oben in der Besuchergunst. Viel beachtet (20%) war auch die imposante „BioEnergy Wood“, die rund ein Viertel des gesamten Messerundweges einnahm. Eine große Überraschung war für das
KWF jedoch die positive Beurteilung der Sonderschau „Technik am Steilhang“. Diese Präsentation war auf ausdrücklichen Wunsch mehrerer Firmen sehr kurzfristig, trotz suboptimaler Geländebedingungen ins Programm genommen worden und konnte deshalb nur kleinflächig in Randlage platziert werden. Auch der gesamte Ablauf litt unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen und gab teilweise berechtigten Anlass zu fachlicher Kritik. Die positive Beurteilung zeigt uns aber ganz deutlich, dass nicht nur perfekt abgestimmte Präsentationen von Bestverfahren unsere Fachbesucher ansprechen, sondern gerade auch die außerplanmäßige Auseinandersetzung mit unerwarteten Schwierigkeiten und Problemen.

Abb. 7: Wie haben Sie von der KWF-Tagung erfahren?

Ganz wesentlich für uns als Veranstalter sind natürlich auch genauere Informationen, über welche Wege und Medien unsere Besucher von der KWF-Tagung erfahren haben. „Persönliche Kontakte“ - d.h. die „Mund zu Mund Propaganda“ - war offensichtlich der wirkungsvollste Informationskanal zur Ansprache der Besucher, dicht gefolgt von der Werbung und Berichterstattung in der Fachpresse. Sehr überrascht hat uns die geringe Nennung des Internets, zumal auf den KWF-Seiten im Vorfeld der Tagung astronomisch hohe Zugriffszahlen zu verzeichnen waren. Das Internet wird offensichtlich intensiv zur Beschaffung konkreter Informationen genutzt, es ist aber zur ersten Kontaktaufnahme mit potentiellen Interessenten nur begrenzt geeignet.

Zu den beiden anderen Säulen der KWF-Tagung neben der Messe, der großen Fachexkur-sion und dem Kongressangebot aus Arbeitskreisen und Plenarveranstaltungen, wurden ge-trennte detaillierte Befragungen durchgeführt. Beide Veranstaltungsteile wurden von den jeweiligen Teilnehmern nach Schulnoten insgesamt mit einer „glatten Zwei“ bewertet. Auch diese Befragungen lieferten eine Fülle interessanter Anregungen und konstruktiver Hinweise für die Planung und Durchführung künftiger KWF-Tagungen. Insgesamt bestätigte das er-freulich positive Feedback die seit Jahren praktizierte Dreiteilung der Tagung, die sich inzwi-schen als unverwechselbares Markenzeichen etabliert hat.

Ausblick

Bereits heute machen wir uns viele Gedanken, um die Weichen für die kommende KWF-Tagung im Juni 2012 in die richtige Richtung zu stellen. So steht bereits im kommenden Jahr die aufwändige Suche nach einem geeigneten Tagungsstandort auf dem Programm und bis zur Interforst 2010 müssen das Thema, die genaue Lage und das Layout des Messegelän-des sowie das exakte Datum feststehen.
Das KWF möchte sich an dieser Stelle bei allen Ausstellern, Mitwirkenden und Besuchern herzlich bedanken, die uns mit ihrer konstruktiven Kritik und engagierten Vorschlägen helfen, unser einzigartiges Gemeinschaftsprojekt KWF-Tagung fortzuentwickeln. Wir freuen uns auch künftig über jeden guten Rat und jede neue Idee von Ihnen und werden uns weiterhin Mühe geben, möglichst allen Erwartungen und Wünschen gerecht zu werden.

Reiner Hofmann, KWF Groß-Umstadt, 2008

 
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